Gruppenbild mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich in einem Projekt des queeren Jugendzentrums PULS in Düsseldorf mit der Geschichte von Schwulen, Lesben und Trans-Personen während der Nazi-Zeit beschäftigt haben.

Erinnern an queere Verfolgte in der NS-Zeit

Jugendliche beschäftigen sich mit Biografien von LSBTI* während der Nazizeit

Gut vier Monate lang haben sich die jungen Besucher*innen des queeren Jugendzentrums PULS in Düsseldorf mit der Geschichte von Schwulen, Lesben und Trans* auseinandergesetzt, die nach Paragraf 175 des Strafgesetzbuchs in der Nazizeit verfolgt, inhaftiert und hingerichtet wurden. Die Recherche-Ergebnisse und Gedanken haben sie in Wort, Bild und Bewegung festgehalten und in eine multimediale Präsentation verwandelt. Diese wurde nun öffentlich vor dem Jugendzentrum gezeigt. Das PULS gehört zum Verein Schwul-lesbische Jugendarbeit Düsseldorf, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW.

Intensive Spurensuche

Gemeinsam mit der Künstler*innenkooperation plöger|winkler|becker, Mitarbeitenden des Jugendzentrums PULS und der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf haben sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren auf eine intensive Spurensuche begeben und sich mit Biografien von LSBTI* während der Nazizeit beschäftigt. Dabei haben sie auch Input von Referent*innen aus Forschung, Wissenschaft und Literatur bekommen. Dazu gehörte zum Beispiel Lutz van Dijk, Historiker*in und Autor*in des Buchs „Erinnern in Auschwitz, auch an sexuelle Minderheiten“. Auch Dr. Muriel González Athenas von der Ruhr-Universität Bochum stand den jungen Leuten Rede und Antwort. Auf einer virtuellen Tour durch die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf lernten die Teilnehmenden verschiedene Düsseldorfer Schicksale kennen, wie das von Karl Carduck, der 1937 ein Opfer der Schwulenverfolgung war.

Vergangenheit und Gegenwart

Die Ergebnisse ihrer Recherchen haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Plakaten, als Kollagen, in Videoclips und Texten verarbeitet. Dabei haben sie nicht nur den Blick zurück in die NS-Zeit geworfen, sondern beschäftigen sich auch mit Fragen, die noch heute relevant sind, zum Beispiel „Bin ich heute frei?“, „Wie sicher kann ich meinen Weg heute gehen?“, „Kann ich das Schweigen brechen?“ oder „Die Geschichte lehrt uns ständig, aber findet sie auch ihre Schüler*innen?“ Ermöglicht wurde das Erinnerungsprojekt durch eine Förderung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

Bild: ©Kultur im PULS