Zwei Frauen in einer Beratungssituation.

Ein Signal gegen Diskriminierung

Servicestellen für Antidiskriminierungsarbeit werden ausgebaut – auch unter dem Dach des Paritätischen NRW

Die Antidiskriminierungsarbeit wird in NRW seit 30 Jahren vor allem von Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW bewegt. Bisher gab es unter dem Dach des Paritätischen NRW fünf Servicestellen für Antidiskriminierungsarbeit, die jährlich über 100 Beratungsfälle begleiten. Diese Pionierarbeit hat sich ausgezahlt: Das Land Nordrhein-Westfalen baut das Beratungsangebot weiter aus. Insgesamt werden 29 weitere Servicestellen für Antidiskriminierungsarbeit geschaffen, sechs davon sind bei Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW angesiedelt.

Verbandsübergreifend haben bis dato 13 etablierte Servicestellen für Antidiskriminierungsarbeit kompetent, kostenlos und unermüdlich Menschen beraten, die von Diskriminierung und Rassismus betroffen waren. Dank ihres Einsatzes hat das Thema in der Landespolitik einen hohen Stellenwert und das NRW-Integrationsministerium investiert drei Millionen Euro in zusätzliche Beratungsangebote bei allen Wohlfahrtsverbänden. Insgesamt gibt es nun 29 weitere Servicestellen für Antidiskriminierungsarbeit – also über zwei Drittel mehr als bisher. Das soll eine niedrigschwellige und wohnortnahe Unterstützung ermöglichen. Mit insgesamt 42 Servicestellen – davon elf unter dem Dach des Paritätischen NRW – weist Nordrhein-Westfalen dann die bundesweit größte Beratungsstruktur auf und nimmt eine Vorreiterrolle ein.

Wohnortnahe Beratungsmöglichkeiten

„Die Begleitung und Auflösung von Diskriminierungsfällen, zum Beispiel am Arbeitsplatz, sowie die Suche nach einer Lösung ist heute wichtiger denn je“, erklärt Leonie Stoklossa, Fachreferent*in Migration und Flüchtlingsarbeit beim Paritätischen NRW. Die Rückmeldungen der Träger machten deutlich, dass viele Menschen eine intensivere Betreuung benötigen. Auch habe sich gezeigt, dass weite Wege häufig eine Hemmschwelle sind, um Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. So verliefen immer wieder einzelne Diskriminierungsfälle im Sande. Künftig weitere qualifizierte Träger mit an Bord zu haben, um die unterschiedlichen Bedarfe in der Region effektiver bedienen und wohnortnah beraten zu können, sei eine große Erleichterung.

Diskriminierung hat viele Gesichter

Die Servicestellen beraten zum Beispiel bei Diskriminierung auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt, bei Behörden, im Bildungs- oder Freizeitbereich. Einige Träger werden sich verstärkt bestimmten Schwerpunkten widmen. Dazu gehört auch, dass Studien sowie Schulungs- und Empowermentangebote zu den Themen LSBTI*, antimuslimischer Rassismus und Antiziganismus umgesetzt werden. Ebenso sind Bildungsangebote zur Sensibilisierung von Behörden, Diensten und Einrichtungen Teil der Servicestellen-Arbeit.

Mehrfachdiskriminierung im Blick

Auch Mehrfachdiskriminierung, die gleichzeitig auf mehreren Ebenen stattfindet, nehmen die Servicestellen in den Blick: „Wenn ich zum Beispiel als Frau keine Ausbildung in meinem Traumberuf als Kfz-Mechanikerin bekomme, gleichzeitig aufgrund meines als ‚fremd‘ empfundenen Namens Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche habe und wegen meines Kopftuches nicht im Fitnessstudio trainieren darf, dann werden mir gleich an mehreren Stellen Steine in den Weg gelegt“, erläutert Stoklossa. Die Servicestellen unterstützen Ratsuchende dabei, auch solche komplexen Diskriminierungserfahrungen aufzulösen, indem sie ihnen individuelle Handlungsoptionen im Umgang mit den unterschiedlichen diskriminierenden Stellen aufzeigen.

Qualitative Weiterentwicklung

Zusätzlich wird die Antidiskriminierungsberatung in NRW durch verschiedene Projekte der nordrhein-westfälischen Wohlfahrtsverbände auch qualitativ ausgebaut. So wird es eine gemeinsame Website als zentrale Anlaufstelle für Ratsuchende sowie regelmäßige Berichte zu Diskriminierungsfällen und -formen in NRW geben. Die 42 Träger sollen geschult und untereinander vernetzt werden, um gemeinsame Standards für die Beratungsarbeit zu haben. Auch die Öffentlichkeitsarbeit wird landesweit koordiniert, um Rassismus und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten. Im Rahmen einer juristischen Co-Beratung sollen die Träger die Möglichkeit bekommen, Ratsuchenden auch juristische Optionen aufzuzeigen.

Online-Beratung wird ausgebaut

Unter der Federführung des Paritätischen NRW werden die Beratungsmöglichkeiten auch um Online-Angebote erweitert. Damit soll vor allem der ländliche Raum bedient werden, da vor Ort häufig keine Servicestelle angesiedelt ist. Gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen prüft der Paritätische NRW aktuell, an welchen Stellen noch in Technik investiert werden muss. Auch sollen Ratsuchende und Berater*innen so noch einmal einen direkteren Draht zueinander bekommen, zum Beispiel über Videoberatung – unabhängig vom Sitz der Beratungsstelle und ihrem Schwerpunkt sowie dem Wohnort der Ratsuchenden und ihren persönlichen Anliegen.

Servicestellen für Antidiskriminierungsarbeit unter dem Dach des Paritätischen NRW:


Pädagogisches Zentrum Aachen (PÄZ)
GleichBehandlungsBüro (GBB)
www.paez-aachen.de
Schwerpunkte: Rechtsberatung, psychosoziale Beratung, Mediation, Empowerment-Projekte, Online-Beratung (im Aufbau)


Train of Hope Dortmund
Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit
www.trainofhope-do.de
Schwerpunkt: LSBTI*


Planerladen, Dortmund
Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit
www.planerladen.de
Schwerpunkte: ethnische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, Antiziganismus im Handlungsfeld Wohnen


ARIC-NRW, Duisburg
Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit
www.aric-nrw.de
Schwerpunkte: Antiromaismus/Gadjé-Rassismus, antimuslimischer Rassismus, Beratung von Kommunen / Einrichtungen zur Umsetzung von Antidiskriminierungs-Konzepten


Muslimisches Familienbildungszentrum – MINA, Duisburg
AMuRa – Servicestelle zur Sensibilisierung für antimuslimischen Rassismus und zur Stärkung intersektionaler Feminismen
www.mina-duisburg.de
Schwerpunkte: antimuslimischer Rassismus, intersektionale Feminismen, strukturelle Benachteiligung islamischer Akteur*innen


Multikulturelles Forum, Lünen
Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit Hamm
www.multikulti-forum.de
Schwerpunkt: antimuslimischer Rassismus


PLANB Ruhr, Bochum
Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit Herne
www.planb-ruhr.de
Schwerpunkt: Antiziganismus


Öffentlichkeit gegen Gewalt (ÖgG), Köln
AntiDiskriminierungsBüro Köln
www.oegg.de
Schwerpunkte: Empowerment, Verbündetenarbeit, kritisches Weißsein, Rassismus und Sprache, institutioneller Rassismus, Anti-Schwarzen-Rassismus, antimuslimischer Rassismus


rubicon, Köln
ADB rubicon in Köln
www.rubicon-koeln.de
Schwerpunkt: Mehrfachdiskriminierung


Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn
Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit für den Rhein-Sieg-Kreis
www.kurdische-gemeinschaft.de
Schwerpunkte: Beratung, Qualifizierung und Vernetzung


Verein für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen, Siegen
Antidiskriminierungsbüro Siegen (ADB)
www.vaks.info
Schwerpunkte: Präventionsmaßnahmen/Mediathek gegen Rassismus und ethnische Diskriminierung, Bildungsarbeit

 

Überblick über alle weiteren örtlichen Servicestellen: www.integrationsagenturen-nrw.de

 

 

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