Alte Fotografien, ein Füllfederhalter und ein Bündel alter Briefe liegen auf einem Tisch.

Gegen das Vergessen und Verdrängen

Zeitzeug*innen-Projekt will Erfahrungen der Rom*nja und Sinti*ze bewahren

Die Erinnerungen und Erfahrungen von Rom*nja und Sinti*ze der zweiten und dritten Generation nach dem NS-Völkermord zu bewahren, ist das Ziel des neuen Zeitzeug*innen-Projekts „Gegen das Vergessen und Verdrängen – Gespräche mit Rom:nja und Sinti:ze“. Der Kölner Verein Rom, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, führt das Projekt in Kooperation mit der Selbstorganisation Romane Romnja durch.

Abbau von Rassismus

Im Mittelpunkt des vom NRW-Integrationsministerium geförderten Projekts stehen geflüchtete Rom*nja sowie Rom*nja und Sinti*ze mit und ohne Zuwanderungsgeschichte mit Bezug zum Land NRW. „Mit den Interviews möchten wir die vielfältigen Geschichte(n) und Erfahrungen der Menschen bewahren und der jahrzehntelangen und bis heute andauernden rassistischen Marginalisierung entgegenwirken. Das Projekt richtet sich daher auch an die Dominanzgesellschaft, die mithilfe des Films zum Abbau von eignen rassistischen Bildern und Praxen angeregt werden soll“, so die Projektleitung Lisa Willnecker vom Verein Rom. Denn nach 1945 war der NS-Völkermord an Rom:nja und Sinti:ze geleugnet worden, Opfer erhielten in den wenigsten Fällen Entschädigungszahlungen, Täter*innen blieben unbehelligt und konnten eine aktive Schuldumkehr betreiben, sodass sich rassistische Praxen gegenüber der Community auch nach 1945 in der deutschen Gesellschaft halten konnten. Infolge der rassistischen Kontinuitäten verheimlichten einige Angehörige aus der Minderheit ihre Identitäten, andere wiederum setzten sich offensiv zur Wehr und traten für eine gleichberechtigte Teilhabe und eine Anerkennung des NS-Völkermordes ein.

Sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen

Neben dem Abbau von Rassismus sollen die Gespräche auch dem Empowerment der Rom*nja und Sinti*ze-Community dienen. Sie ermöglichen auch nachfolgenden Generationen, sich mit den eignen Geschichten und Erfahrungen der Vorfahren, neuen und alten Vorbildern und der eignen Identität auseinanderzusetzen. Die Gespräche werden aufgezeichnet und im Archiv des Vereins Rom bewahrt. Zum Ende des Projektes soll ein Film entstehen, der einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

 


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